Renal Pharmacist
Zwischen 20-25% aller stationären Patienten haben eine Niereninsuffizienz und daher ein hohes Risiko für arzneimittelbezogene Probleme, wie eine nichtbeachtete Kontraindikation oder eine fehlende Dosisanpassung. Zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit kann ein Renal Pharmacist – ein Apotheker mit speziellem Fokus auf Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion – durch Medikationsanalysen arzneimittelbezogene Probleme identifizieren und gemeinsam mit dem Stationsarzt lösen. Dieser Service ist jedoch noch keine Regelversorgung in deutschen Krankenhäusern. An vier deutschen nicht- universitären Krankenhäusern wurde durch die Stiftung Patient & Klinische Pharmazie das Projekt Renal Pharmacist gefördert mit dem Ziel, die Patientensicherheit in dieser vulnerablen Patientengruppe zu erhöhen.
Wir gratulieren den vier Krankenhausapotheken, deren Projekte nach Abschluss des zweistufigen Auswahlverfahrens ausgewählt wurden.
-
Apotheke Rudolf Virchow Klinikum Glauchau
-
Zentralapotheke KKiMK Iserlohn
-
Zentralapotheke Klinikverbund Südwest Sindelfingen
-
Apotheke Klinikum Starnberg
Projektkoordination:
Dr. Sarah Seiberth, Marktredwitz
Team der Renal Pharmacists beim 48. wissenschaftlichen Kongress des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker e.V. (ADKA) 2023 in Nürnberg
Von links nach rechts:
Dr. Andreas von Ameln-Mayerhofer, Stefanie Hecht, Nicole Speidel, Jana Klöppel, Ina Richling, Dr. Sarah Friederike Seiberth

Welttag der Patientensicherheit
APS-Veranstaltung mit dem Motto "Sichere Medikation – mach Dich stark für Patientensicherheit" am 15.09.2022 in Berlin

1. Platz - Deutscher Preis für Patientensicherheit
am 12. Mai 2022 verliehen von Aktionsbündnis Patientensicherheit
-
Pharmazeutische Zeitung: Apothekerin erhält Preis für Patientensicherheit
-
Deutsche Apotheker Zeitung: 1. Platz für AMTS-Projekt „Renal Pharmacist“
-
Deutsche Aptheker Zeitung: Ausgezeichnet: das „Renal Pharmacist“-Projekt
-
Health&Care Management Magazin: Deutscher Preis für Patientensicherheit verliehen
-
kma Online: Verleihung des Deutschen Preises für Patientensicherheit 2022
-
apotheke adhoc: Renal Pharmacist: Wie Apotheken die Medikation sicherer machen
-
Ausgezeichnet: unsere Klinikapotheke belegt den 1. Platz in Patientensicherheit
Bildlizenz: APS e.V./M.Schulz
Preisverleihung 1. Preis für Patientensicherheit des Aktionsbündnis Patientsicherheit (APS)
Von links nach rechts:
Laudatorin Xenia Freifrau von Maltzan, Preisträger:innen Ina Richling (pharmD), Dr. von Ameln-Mayerhofer, Larissa Albus, Jana Rudolph, Ann-Kristin Gerke, Katrin Bayerlein

Veröffentlichungen im Rahmen des Projekts
Die ausgewählten Krankenhausapotheken

Jana Rudolph (Apothekerin) bei der Kurvenvisite mit Nazar Sadiq (Oberarzt) und Uta Schlosser (Pflege) im Rudolf Virchow Klinikum Glauchau
Apotheke Rudolf Virchow Klinikum Glauchau
Das Projekt Renal Pharmacist ist am 01.02.2020 am Rudolf Virchow Klinikum Glauchau gestartet. Es erfolgt eine tägliche Abfrage der Nierenparameter von Patienten der Bereiche Geriatrie, Psychiatrie und Chirurgie (Orthopädie, Unfallchirurgie, Allgemein- und Viszeralchirurgie) mithilfe des Labortools im „LabCentre“ durch die Apothekerinnen Frau Jana Rudolph und Sarah Leuschner. Dabei werden die Patienten mit einer Glomerulären Filtrationsrate (GFR) < 60 ml/min/1,73 m2 (nach CKD-EPI) gefiltert und ihre Medikationskurven auf den Stationen gesichtet. Die verordneten Medikamente werden unter Bezugnahme der aktuellen Laborparameter und individuellen Faktoren wie u.a. Alter, Körpergewicht und Körpergröße auf renale sowie andere arzneimittelbezogene Probleme überprüft.
Es wurden 894 Medikationsanalysen durchgeführt, die zu 319 Interventionsvorschlägen über schriftliche pharmazeutische Konsile führten. Durch das Projekt konnte die Stationsarbeit im Klinikum weiter ausgebaut werden, was u.a. zu der regelmäßigen Teilnahme an den unfallchirurgischen/orthopädischen Oberarztvisiten führte.


Ina Richling (Apothekerin) und Boris Owandner (Oberarzt) bei der Kurvenvisite auf Station im KKiMK
Zentralapotheke KKiMK, Iserlohn
Seit Februar 2020 betreuen die Renal Pharmacists Ina Richling, Pharm. D. (UFl, USA) und Dr. Philipp Müller Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion in den Katholischen Kliniken im Märkischen Kreis. Montags, mittwochs und donnerstags finden interdisziplinäre Kurvenvisiten mit den Oberärzten der unfallchirurgischen und geriatrischen Stationen statt. Patienten mit einer eGFR < 50 ml/min/1,73 m2 (CKD-EPI) werden selektiert und auf renale arzneimittelbezogene Probleme überprüft. Die notwenigen Änderungen der Medikation werden direkt mit den Ärzten besprochen und zusätzlich in ORBIS als Konsile dokumentiert und in den Arztbrief übernommen. Zusätzlich findet auf Wunsch der Ärzte noch 1x wöchentlich für alle Patienten des Klinikums mit eGFR < 30 ml/min/1,73 m2 eine pharmazeutische Medikationsanalyse statt. Es erhielten 1231 Patienten die pharmazeutische Betreuung des Renal Pharmacist. Durch ein Interview in der Laienpresse mit der Apothekerin Ina Richling und dem leitenden Oberarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie Boris Owandner konnte das Projekt im Landkreis bekannt gemacht werden.

Zentralapotheke Klinikverbund Südwest
Sindelfingen
Das Renal Pharmacist Projekt ist am 01.06.2020 am Klinikum Sindelfingen gestartet. Das Apothekerteam um Herrn Dr. Andreas von Ameln-Mayerhofer, Frau Meike Sieg (bis 31.08.2021) und Frau Larissa Albus (seit 01.09.2021) führen auf zwei unfallchirurgischen Stationen Medikationsanalysen bei Patienten mit einer eGFR < 60 ml/min/1,73 m2 (CKD-EPI) durch. Die Nierenfunktion wird händisch aus Laborprogramm gefiltert. Die Medikamente werden auf renale sowie andere arzneimittelbezogene Probleme überprüft. Die Interventionsvorschläge werden vorrangig persönlich mit den Ärzten besprochen, ansonsten werden schriftliche Konsile in den Patientenakten hinterlegt. Im Rahmen der Geriatrischen Komplexbehandlung begleiten die Apotheker die Ärzte 1x in der Woche auf Visite. Zusätzlich wird eine Beratung zur patientenindividuellen Dosierung angeboten, um insbesondere nierentoxische Effekte von Aminoglykosiden und Vancomycin zu vermeiden.

Ann-Kristin Gerke (Apothekerin) und Prof. Dr. med. Hans-Paul Schobel (Nephrologe) bei der gemeinsamen Kurvenvisite auf Station im Klinikum Starnberg
Apotheke Klinikum Starnberg
Die Renal Pharmacists Katrin Bayerlein und Ann-Kristin Gerke identifizieren am Klinikum Starnberg seit Januar 2020 abteilungsübergreifend zweimal wöchentlich arzneimittelbezogene Probleme (ABP) bei mittel bis hochgradig nierenkranken PatientInnen (CKD Stadium 3b und 4). Dabei bringen sie sich in ein interdisziplinär nephrologisches Betreuungskonzept ein und erarbeiten aufgrund einer umfassenden Medikationsanalyse praxisrelevante Lösungsvorschläge zur Vermeidung der identifizierten ABP für die einzelnen PatientInnen.
Gemeinsam mit dem leitenden Arzt der Nephrologie Prof. Dr. Hans-Paul Schobel wurden 1435 Medikationsanalysen durchgeführt. Durch den interdisziplinären Austausch zwischen den behandlungsführenden Ärzten, der Nephrologie sowie der Apotheke soll die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) für niereninsuffiziente PatientInnen in der ganzen Klinik erhöht werden.
In einem Interview zum Welttag der Patientensicherheit 2021 wurde das Projekt auf lokaler Ebene einem breiteren Publikum kommuniziert.






