top of page

Promotionsprogramm Klinische Pharmazie

PKP-Logo_RGB.png

Das Promotionsprogramm Klinische Pharmazie am LMU Klinikum München besteht seit dem Jahr 2013 und ist vom GraduateCenterLMU als strukturiertes Promotionsprogramm anerkannt, sowie Teil der Munich Medical Research School.

Im Mittelpunkt der Promotionsprojekte stehen Fragestellungen zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit. Ziel ist es, einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Patientensicherheit bei unterschiedlichen Krankheitsbildern zu leisten. Darüber hinaus wird angestrebt, die wissenschaftliche Evidenz im Bereich der angewandten klinischen Pharmazie auszubauen.

Den Promovierenden wird ein inspirierendes Forschungs- und Arbeitsumfeld geboten. Die Betreuung der Projekte erfolgt interprofessionell durch Apotheker:innen und Ärzt:innen, wodurch ein intensiver Austausch sowohl zu Grundlagenfragen als auch zu therapeutischen Themen gewährleistet ist. Ergänzt wird das Programm durch regelmäßige Seminare und Workshops sowie vielfältige Gelegenheiten zum fachlichen Austausch mit Betreuenden, Mitpromovierenden im exzellenten wissenschaftlichen Umfeld in München.

Die Stiftung Patient & Klinische Pharmazie fördert im Programm die Rahmenbedingungen, Forschungsprojekte, Reisestipendien, Workshops, Kongressteilnahmen und die jährlich stattfindenden Symposien.

Weitere Details zum Promotionsprogramm Klinische Pharmazie finden sie hier.

Geförderte Promotionen sind/waren unter anderem:

Laufend:

Arzneimitteltherapiesicherheit bei der supportiven Therapie

Einfluss eines supportive care Pharmacist Consultation Service (scPCS) auf die Arzneimitteltherapiesicherheit onkologischer Patient:innen

 

Problem/Patientengruppe

Während einer medikamentösen Tumortherapie treten Nebenwirkungen auf, die die Lebensqualität der Patient:innen beeinträchtigen und das Erreichen von Therapiezielen erschweren können. Mit einer sogenannten supportiven Therapie können auftretende Nebenwirkungen und Begleitsymptome der Krebserkrankung behandelt werden. Leitlinienempfehlungen zur supportiven Therapie werden aber nicht immer umgesetzt. Darüber hinaus werden Symptome, die behandelt werden sollten, im klinischen Alltag nicht immer erkannt. Dies kann die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) gefährden.

Ziel

Das Projekt untersucht, ob eine pharmazeutische Betreuung von ambulant behandelten Krebspatient:innen mit Fokus auf die supportive Therapie die AMTS steigern kann. Als wichtige Parameter für die AMTS werden der Einfluss auf die leitliniengerechte Durchführung der supportiven Therapie und die Symptomlast der Patient:innen untersucht.

 

Durchführung

Die Studie richtet sich an Patient:innen mit soliden Tumoren, die eine intravenöse Tumortherapie neu beginnen. Die Therapie kann gegebenenfalls durch oral einzunehmende Arzneimittel ergänzt werden. Auf eine Beobachtungsphase folgt eine Interventionsphase mit pharmazeutischer Betreuung. Diese umfasst die drei Komponenten (I) Beratung der behandelnden Ärztinnen und Ärzte zur supportiven Therapie, (II) Schulungen des Stationspersonals zu supportiven Maßnahmen sowie (III) Schulungen der Patient:innen im Umgang mit Nebenwirkungen der Therapie und Begleitsymptomen der Erkrankung. Um Rückschlüsse auf die AMTS während der beiden Phasen zu ziehen, wird zwischen Beobachtungs- und Interventionsphase verglichen, wie gut Leitlinienempfehlungen zur supportiven Therapie umgesetzt werden und in welchem Ausmaß Patient:innen  durch auftretende Symptome belastet sind.

 

Ergebnis

Die Beobachtungsphase wurde im Dezember 2025 begonnen. Die Ergebnisse einer Zwischenevaluation nach der Beobachtungsphase werden in Q4 2026 erwartet.

Nutzen für die Patient:innen

Durch das Zusammenwirken der drei Komponenten der pharmazeutischen Betreuung soll die Umsetzung von Leitlinienempfehlungen verbessert und die Symptomlast für Patient:innen verringert werden. Damit soll das Projekt zur Steigerung der AMTS während einer ambulanten, intravenösen Tumortherapie beitragen.

Bildquelle: Larissa Weller

Individualisierung der Antibiotikatherapie bei Intensivpatient:innen  durch Dosierungs-Software-Tools

Auf dem Weg zur individualisierten Antibiotikatherapie: Evaluierung von Software-Tools zur modellbasierten Präzisionsdosierung von Piperacillin und Meropenem bei kritisch kranken Patient:innen

 

Problem/Patientengruppe

Bei Intensivpatient:innen liegen Blutplasmakonzentrationen von Antibiotika wie Piperacillin und Meropenem aufgrund eingeschränkter Organfunktionen, Organersatzverfahren und krankheitsbedingt veränderten Körperfunktionen unter Verwendung von Standarddosierungen häufig außerhalb des erforderlichen Zielbereichs [1]. Obwohl regelmäßige Messungen der Antibiotikakonzentrationen eine bewährte Strategie zur Therapiekontrolle und -anpassung sind, bieten diese keine Entscheidungshilfe bei der Festlegung einer Anfangsdosis oder der genauen Dosisanpassung bei Konzentrationen außerhalb des Zielbereichs. Ein nächster Schritt zur personalisierten Antibiotikatherapie ist die Anwendung von Dosierungs-Software-Tools, mit welchen Antibiotikakonzentrationen bei Intensivpatient:innen unter Berücksichtigung patientenindividueller Faktoren modelliert und geeignete Dosierungen berechnet werden können [2]. Verfügbare Dosierungs-Software-Tools unterscheiden sich in ihrer Methodik, Funktionalität und Design – und dadurch auch in ihrer Eignung für die klinische Anwendung [3].


Ziel

In meinem Projekt werden verschiedene Dosierungs-Software-Tools für Piperacillin und Meropenem mit Blick auf die Genauigkeit ihrer Vorhersagen, berechnete Dosisempfehlungen und die Benutzerfreundlichkeit verglichen, um ihre Einführung in den klinischen Alltag zu ermöglichen.


Durchführung

Nach der systematischen Suche geeigneter Dosierungs-Software-Tools wird geprüft, wie genau deren berechnete Konzentrationsvorhersagen mit realen gemessenen Antibiotikakonzentrationen übereinstimmen. Dazu werden Daten mehrerer klinischer Studien aus verschiedenen Krankenhäusern verwendet (Anzahl Messungen/Patient:innen: Piperacillin 3654/561; Meropenem 3924/486). Bei den vielversprechendsten Tools werden die Dosierungsempfehlungen auf klinisch relevante Unterschiede verglichen. Anschließend wird die Benutzerfreundlichkeit für Ärzt:innen und klinische Apotheker:innen untersucht.


Ergebnis

Durch eine systematische Suche wurden 120 Dosierungs-Software-Tools identifiziert und auf Eignung für das Projekt geprüft. Nach aktuellem Stand wurden 11 Tools eingeschlossen und sind für das Projekt zugänglich. Laut Zwischenauswertung sind bei diesen Tools aktuell insgesamt mindestens 22 verschiedene Modelle für Piperacillin und 19 für Meropenem verfügbar.


Nutzen für die Patient:innen

Der Einsatz von Dosierungs-Software-Tools zur Präzisionsdosierung von Piperacillin und Meropenem zielt darauf ab, den Anteil der Intensivpatient:innen mit Konzentrationen im Zielbereich zu erhöhen – und damit das Risiko für Therapieversagen, Antibiotikaresistenzen und Nebenwirkungen zu senken [1]. Das Projekt unterstützt eine rationale Auswahl solcher Tools für die klinische Anwendung.

[1] Brinkmann A, Chiriac U, Grabein B, Liebchen U, Hagel S, Kunzelmann AK, et al. Antibiotikatherapie bei kritisch Kranken auf der Intensivstation – was sollten wir beachten und nicht aus dem Fokus verlieren? Anästh Intensivmed 2024;65:52–64. https://doi.org/10.19224/ai2024.052.
[2] Minichmayr IK, Dreesen E, Centanni M, Wang Z, Hoffert Y, Friberg LE, et al. Model-informed precision dosing: State of the art and future perspectives. Advanced Drug Delivery Reviews 2024:115421. https://doi.org/10.1016/j.addr.2024.115421.
[3] Kantasiripitak W, Van Daele R, Gijsen M, Ferrante M, Spriet I, Dreesen E. Software Tools for Model-Informed Precision Dosing: How Well Do They Satisfy the Needs? Front Pharmacol 2020;11:620. https://doi.org/10.3389/fphar.2020.00620.

Abbildung 1: Methodisches Vorgehen zur Evaluierung von Dosierungs-Software-Tools für Piperacillin und Meropenem bei kritisch kranken Patient:innen

Bildquelle: Sabrina Böing

Arzneimitteltherapiesicherheit in der Uro-Onkologie

APTURO – Arzneimittelanamnese und Patienteninformation zur Tumortherapie in der URO-Onkologie

Problem/Patientengruppe

Uro-onkologische Patient:innen erkranken in der Regel in höherem Alter zum ersten Mal an einem Urothel-, Prostata- oder Nierenzellkarzinom. Dadurch leiden sie bei der Diagnose häufig bereits an Begleiterkrankungen und nehmen zusätzliche Medikamente ein. Die hinzukommenden komplexen onkologischen Therapieschemata erfordern eine umfangreiche Patienteninformation und -aufklärung. Insgesamt stellen uro-onkologische Patient:innen daher ein besonderes Risikokollektiv für arzneimittelbezogene Probleme (ABP) dar.

Ziel

Die APTURO-Studie untersucht, wie eine pharmazeutische Betreuung zur Erhöhung von Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) und Patientenzufriedenheit uro-onkologischer Patient:innen mit Informationen zur Tumortherapie beitragen kann. Gemessen wird die Verbesserung der AMTS durch die Anzahl ungelöster ABP pro Patient:in. Ob die Zufriedenheit der Patient:innen verbessert werden kann, erfasst ein validierter, spezialisierter Fragebogen.

Durchführung

Die prä-post-Studie gliedert sich in eine Beobachtungs- und eine Interventionsphase. So werden die Anzahl ungelöster ABP sowie die Zufriedenheit der Patient:innen zunächst ohne und anschließend mit pharmazeutischer Betreuung, bestehend aus Arzneimittelanamnesen mit Medikationsanalysen und pharmazeutischen Patientenschulungen, erfasst und können im Anschluss analysiert und miteinander verglichen werden. Zur Steigerung der Zufriedenheit wurden zwischen den beiden Phasen patientenverständliche Informationsblätter für alle gängigen uro-onkologischen Tumortherapien entwickelt. Diese werden im Rahmen der Patientenschulungen ausgegeben und zusätzlich mündlich besprochen.

Ergebnis

Die Rekrutierung für beide Studienphasen konnte bereits beendet werden, die Datenerhebung ist gegenwärtig noch nicht abgeschlossen. Eine erste Zwischenauswertung der Patientenzufriedenheit in der Beobachtungsphase konnte zeigen, dass diese von unterschiedlichen Behandlungssituationen wie der Applikationsform abhängt. Ob durch eine pharmazeutische Betreuung eine Verbesserung erzielt werden kann, müssen die Daten aus der Interventionsphase zeigen.

Nutzen für die Patient:innen

Die Vernetzung von Ärzt:innen mit Apotheker:innen zu einem interdisziplinären Versorgungsteam ermöglicht eine Steigerung der AMTS sowie Reduktion der Symptomlast unter einer Tumortherapie. Gezielte Schulungen sollen das Patientenwissen ihre Therapie betreffend steigern und so die Adhärenz der Patient:innen in Bezug auf ihre (Tumor-) Medikation verbessern.

Bildquelle: Judith Fischer

Abgeschlossen:

 

Auswirkungen einer intersektoralen pharmakotherapeutischen Betreuung durch Apotheker auf die Symptomlast von Palliativpatient:innen

ADKA Promotionspreis 2019
Nachwuchsförderpreis Aktionsbündnis Patientensicherheit 2021

 

  • Dr. Dominik Bauer, Apotheker, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin des LMU Klinikums, München

  • Dr. Constanze Rémi, pharmazeutische Betreuerin, Apothekerin,
    Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin des LMU Klinikums, München

  • Prof. Dr. Claudia Bausewein PhD MSc, Direktorin,
    Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin des LMU Klinikums, München

Schwerstkranke Patient:innen leiden oftmals unter einer Vielzahl von belastenden Symptomen. Der Einsatz symptomlindernder Arzneimittel z.B. bei Schmerzen oder Atemnot ist hierbei besonders anspruchsvoll und benötigt pharmazeutische Expertise. Mit wachsender Anzahl verordneter Medikamente steigt auch das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen und kann den Patient:innen zusätzlich belasten. Um den Nutzen des:der Apotheker:in als Arzneimittelexperten auf die Symptomlast der Patienten zu erfassen, wurde ein pharmazeutischer Interventionspfad auf einer Palliativstation implementiert. Ein:e Apotheker:in überprüfte - als Mitglied des multiprofessionellem Palliativteams - die Arzneimitteltherapie auf arzneimittelbezogene Probleme (ABP) und gab Empfehlungen zur Anpassung der Medikation. Im Studienzeitraum wurden 41 Patient:innen (medianes Alter 68 Jahre (39-91), Prävalenz bösartige Neubildungen n=38) konsekutiv in die Studie eingeschlossen. 207 ABP (Median 5 pro Patient:in) wurden durch den:die Apotheker:in erfasst. Die pharmazeutischen Empfehlungen zielten insbesondere auf die Verbesserung der Arzneimittelwirkungen ab und wurden von den behandelnden Ärzt:innen zu 88% umgesetzt. Hauptursachen für ABP stellten die Arzneimittelauswahl und die gewählten Dosierungen dar. Bei 141/207 ABP kam es zur Anpassung der Arzneimitteltherapie. Die Symptomlast der Patient:innen verbesserte sich während des stationären Aufenthalts signifikant (p=0.003) und blieb während der Nachbetreuung stabil (p=0.940). Somit konnte erstmals in Deutschland der Stellenwert des:der Apotheker:in bei der Vermeidung und Lösung von ABP bei Palliativpatient:innen aufgezeigt werden. Der entwickelte pharmazeutische Interventionspfad erwies sich als zielführend und praktikabel und kann als best practice im Bereich der Krankenhauspharmazie für eine umfassende Integration von Apotheker:innen in den Stationsalltag und die palliativmedizinische Versorgung dienen.

Stempel_Project-completed_grau_proxnova.png
bottom of page